Oculus Rift DK2: Die erste Woche mit dem DK2

Oculus Rift DK2: Die erste Woche mit dem DK2

Vor einer Woche ist nach langer Wartezeit das Oculus Rift Development Kit 2 angekommen. Hier ein erster Erfahrungsbericht und ein erstes Video.

Die ersten Stunden:

Das Paket war schnell ausgepackt und die Anschlüsse sowie das Handling des DK2 waren nahezu selbsterklärend. Auch die Software war schnell installiert. Was benötigt man? Zum einen die Oculus Runtime, zum anderen das SDK. Runterladen, installieren, fertig.

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Dann begangen die Probleme – die Kamera und das damit realisierte Positional Tracking wurden nicht erkannt, was dazu führte, dass auch die Brille nicht  lauffähig war, …

Nach zweistündiger Odyssee war das Problem jedoch gefunden und gelöst. Offenbar unterstütz(t)en einige ältere Prozessoren  – insbesondere von AMD – nicht alle Befehle. Das Problem war der Community zum Glück bekannt und bereits gelöst. Hilfreich war auch dieses Tool.

<Update:> Das Problem trat mit dem SDK in Version 0.4.0 auf. Seit der Version 0.4.1. ist das Kompatibilitätsproblem behoben. Die Demos, die bisher bei mir liefen, laufen auch weiterhin. Die mitgelieferte Open World Demo alias Tuscany sieht nun noch besser aus – Schmetterlinge, Pusteblumenpollen, Feuer, etc. </Update>

demoDie erste Demo, die mich wirklich beeindruckte, war die Oculus Demo Scene – ein Stuhl, ein Schreibtisch und die virtuelle Realität. Die Demo dient u.a. dazu, die Kalibrierung und Funktionsfähigkeit des DK2 zu testen. Man merkt schnell: Insbesondere die Kamerapositionierung  spielt eine wichtige Rolle. Praktisch ist dabei das in der Oculus Kamera verbaute Standard-Stativgewinde.

Mit einem Stativ ausgerüstet, konnte ich unproblematisch die Höhe und vor allem den Abstand der Kamera variieren. Mein Eindruck ist, dass der Abstand in der Regel deutlich höher sein sollte, als es bei einer Positionierung der Kamera auf dem Monitor möglich ist. stativZumindest mit der Oculus Demo Scene erzielte ich die besten Ergebnisse bei einem Abstand von ca. 2 m (Kamera zu Brille). Die nächste halbe Stunde war ziemlich beeindruckend. Das Positional Tracking war vor allem Dank des großen Abstands zur Kamera fantastisch. Ich konnte unter den Schreibtisch und sogar hinter den Schreibtisch sehen, durch das Kartenhaus hindurch, in die Lampe, auf die Pflanze und mich zum Teil ohne Controller im Raum „bewegen“. Die ein oder andere Dachschräge war mir zwar im Weg und auch den „echten“ Schreibtisch habe ich mehr als einmal „übersehen“. Der Faszination schadete das aber ganz und gar nicht – im Gegenteil! Ein weiteres tolles Erlebnis bot die Roller Coaster Demo „Helix“. Nicht nur die Fahrt, sondern auch die Möglichkeit, sich umzusehen und „Mitfahrer“ neben und hinter sich zu entdecken, war ein Erlebnis.

Neben weiteren Demos, die sofort ohne Probleme liefen, probiere ich momentan noch aus, Elite Dangerous lauffähig zu bekommen. Eigentlich sollte das kein Problem sein, allerdings fehlte mir bisher die Zeit, um noch mehr auszuprobieren. Insbesondere mit der Rift als zweiten Bildschirm im Extended Mode muss ich mich noch auseinandersetzen. Ansonsten geht es nach und nach an die DK2-fähigen Demos und Spiele.

Soviel nun aber erst einmal zu den ersten paar Stunden VR-Erfahrung. Ich habe jetzt noch nicht viel über Pixel, Bildqualität etc. geschrieben. Hier geht sicher noch mehr, obwohl das DK2 schon sehr beeindruckt. Aber mal ehrlich: Es ist ein Development Kit und auf jeden Fall für viele Anwendungen besser, als auf einen mehr oder weniger DIN A4 großen Monitor schauen zu müssen.

Der dritte Tag:

Heute ist der dritte Tag angebrochen. Ich hatte tagsüber leider keine Zeit das DK2 zu testen. Also die Nacht zum Tag gemacht. Anfänglich war ich auf Grund der Startschwierigkeiten beinahe ernüchtert. Mittlerweile läuft aber (fast) alles und ich habe zahlreiche Demos angespielt. Erstes Fazit – derzeit noch pure Begeisterung!!! Hier eine Auswahl der besten Erlebnisse bislang:

  • Das ich mich in einem Spiel das letzte Mal richtig erschrocken habe, ist ewig her. Die Demo „Crystal Rift“ hat es geschafft, dass ich mich gleich dreimal wegen des immer gleichen Effekts erschrocken habe. Und das trotz gefühlter 90er Jahre Grafik der Demo. Zum normalen Bildschirmerlebnis ein Unterschied wie Tag und Nacht.
  • In der Demo „DerGrosseGottlieb“ sitzt man lediglich auf einem Stuhl – allerdings in luftiger Höhe und mit detailverliebter Umgebung. Wer findet den Schriftzug „Seite der Finsternis? Aufgrund der beschränkten Bewegungsmöglichkeiten vielleicht ein guter Start um sich an VR zu gewöhnen (ja, ich glaube wirklich, dass es gewöhnungsbedürftig ist).
  • Lava Inc, bietet eine Geschwindigkeitskontrolle durch vor- und zurücklehnen. Spannend!
  • SightLine Windows und Sightline Chair – fast schon philosophisch. Ein Spiel mit der Realität. Irgendwann schwirrt der Kopf (insbesondere bei SightLine Chair).
  • Radial G – geniale Grafik im DK2!
  • Proton Pulse – Buttons betätigen, indem man auf die Seite der DK2 klopft – eine einfache aber geniale Idee!
  • Ocean Rift – Schwimme nicht in die Tiefe, …
  • VanguardV – endlich (!) eine an die DK2 gut angepasste Benutzeroberfläche, ein gebogenes virtuelles Display und die Augen des Charakters spiegeln sich im Helm. Obwohl mir die Steuerung im Spiel prinzipbedingt nicht zusagte, waren die ersten 60 Sekunden der Menüführung beeindruckend, … wann schreibt man so etwas schon mal über ein Spiel?!

Hier noch eine kurzer Screenshot des bisher Angespielten:

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Zweites Fazit: Das DK2 erfüllt meine Erwartungen, die schon hoch waren, vollständig. Es ist spannend, so früh dabei zu sein, vor allem, wenn man merkt, wie neu das Ganze dann doch ist und wie sehr alte Konzepte (Bedienkonzepte, Spielekonzepte, Steuerung, etc.) überdacht werden müssen. Übrigens, übel ist mir bisher noch nicht geworden.

Der Rest der Woche:

Da die Steuerung per Maus und Tastatur für VR-Erlebnisse vermutlich nur selten optimal geeignet sein wird, warten jetzt noch einige Dinge auf ihren ersten VR-Einsatz:

Ein Saitek X52 Joystick und Schubregler wartet auf seinen Einsatz in einer Cobra MK III in der DK2-Version von Elite Danegrous. Mittlerweile habe ich Elite Dangerous mit dem DK2 zwar zum Laufen bekommen. Insbesondere der Schiffsinnenraum aber auch das Universum vermitteln ein faszinierend immersives Gefühl. Leider klappt das Positional Tracking jedoch nicht, was daran liegt, dass Elite Dangerous noch mit dem SDK 0.3.0 läuft und mein alter AMD Phenom II X 4 965 hierzu mangels SSE 4.1. inkompatibel ist. Ein entsprechender Eintrag eines Leidgenossen findet sich auch auf reddit. Doch auch ohne Positional Tracking ist das Ganze beeindruckend. Ich wäre vorher z. B. nie auf die Idee gekommen, die Krater in Asteroiden als Landefläche/Versteck zu nutzen. Probiert es aus – ein Höllenspaß! Ich wünsche mir für die Zukunft Asteroiden mit Höhlen und Tunnelsystemen! Allerdings habe ich auch erfahren, dass mir ohne funktionierendes Positional Tracking das erste Mal (leicht) übel geworden ist. Es bleibt mir wohl nur die Hoffnung, dass Elite Dangerous schnell das SDK 0.4.1. nutzt.

saitek_x52

Ein Fanatec GT2 Wheel wartet auf die DK2-Version von Asseto Corsa oder eine Demo von Project Cars. Den Euro Truck Simulator 2 habe ich kurz angespielt – das war schon nicht schlecht. Das beste und immersivste Resultat hat bisher aber Live for Speed geliefert! Gerade mit Lenkrad absolut genial!!!

fanatec_porsche

Die Razer Hydra wartet ebenfalls auf ihren Einsatz. Seit kurzem ist zwar Half Life 2 mit dem DK2 kompatibel. Leider gilt dies nicht für die Mod HL2VR, die ich gerne mit der Razer Hydra spielen würde (in der Mod kann man einen Controller der Hydra benutzen, um die Hand im Spiel tatsächlich entsprechend der Hydra zu bewegen – dies ist in Half Life 2 nicht möglich, da hier der Controller nur ähnlich wie eine Maus verwendet wird).

razer_hydra

Was ist noch neu? Ich habe mittlerweile die neue DK2-Version von Titans of Space sowie den UE4 Rollercoaster angespielt. Beide Demos sind absolut empfehlenswert. Ich habe zudem das Gefühl, dass auf rift arcarde beinahe täglich neue Inhalte erscheinen. Lustig ist auch, dass einige Spiele bzw. Demos so neu sind und noch von so wenigen Spielern genutzt werden, dass man es mit den ersten Spielversuchen schon in die Online Highscores schafft (all birds must die).

Was habe ich noch vor:

Als nächstes werde ich ausprobieren, wie sehr das DK2 Kabelverlängerungen verträgt. Entsprechende USB, HDMI und Klinkenverlängerungen sind bereits auf dem Weg.

Ansonsten warte ich gespannt auf neue Demos und Spiele sowie die Anpassung von Elite Dangerous.

Hier geht es zu dem Erfahrungsbericht der zweiten Woche.

Written by Sven