Die zweite Woche mit dem Oculus Rift DK2: Ein Erfahrungsbericht

Die zweite Woche mit dem Oculus Rift DK2: Ein Erfahrungsbericht

Die zweite Woche mit dem Oculus Rift DK2 war beeindruckend. Mittlerweile sind alle Startschwierigkeiten vergessen und ich bin überzeugt, dass VR-Brillen in Zukunft eine neue Ära der Computerspiele einleiten werden. Nachdem ich bereits über meine erste Woche mit dem Oculus Rift DK2 berichtet habe, folgt nun eine Zusammenfassung der zweiten Woche.

Die Inhalte für das DK2 nehmen rapide zu:

Mittlerweile habe ich über 70 – meist kleinere – Spiele und Demos ausprobiert. Das Schöne daran ist, dass derzeit fast täglich neue Demos veröffentlicht werden, die meist kostenlos heruntergeladen werden können. Eine gute Übersicht über neue Demos findet man z.B. auf

http://www.theriftarcade.com/,
http://stv.re/,

und natürlich auf

https://share.oculusvr.com/,

wobei sich die Seiten ganz gut ergänzen, da sich immer wieder Titel finden, die nur auf einer der Seiten gelistet sind.

Meine bisherigen Highlights (Top 10):

In den ersten beiden Wochen mit dem Oculus Rift DK2 sind mir einige Titel besonders positiv aufgefallen:

1.) Temple of Merk

In diesem kurzen Spiel – eigentlich handelt es sich eher um eine Techdemo – kann man mit Schild und Keule in einem Dungeon gegen Gegener kämpfen. Das Besondere an dem Spiel ist, dass es hervorragend die Razer Hydra (hier mehr Infos zur Razer Hydra) unterstützt. In Kombination mit der Razer Hydra bot Temple of Merk für mich bisher das bei Weitem immersivste Spielerlebnis. Aus diesem Grund habe ich zur Kamera gegriffen und ein kurzes Let`s Play aufgenommen. Temple of Merk zeigt aus meiner Sicht, dass hohe Immersion oftmals zu einem erheblichen Teil auch von den richtigen Eingabegeräten abhängt. Maus und Tastatur reichen in VR nicht mehr aus. Und noch etwas Neues kommt hinzu. Dank des Positional Tracking des DK2 ist es jetzt schon ohne weiteres möglich, dass Anwendungen auch erkennen, ob man steht oder sich duckt. Ein Spiel, welches dieses Prinzip nutzt, wird noch immersiver. Temple of Merk nutzt dieses Prinzip und hat es hervorragend umgesetzt. Noch nie habe ich so etwas bei einem Spiel erlebt. Aus diesem Grund landet Temple of Merk – trotz schlechter Grafik – für mich persönlich auf Platz 1. Das Let`s Play Video verdeutlicht, glaube ich, ganz gut, was ich meine.

2.) Live for Speed

Bei Live for Speed handelt es sich um ein kostenpflichtiges Rennspiel, welches grafisch – zumindest wenn man Assetto Corsa gesehen hat – nicht sonderlich hervorsticht. Allerdings ist Live for Speed das bisher einzige ordentliche Rennspiel (leider habe ich keinen Beta-Zugang zu Project Cars) mit einerseits voller DK2-Kompatibilität. Andererseits unterstützt Live for Speed eine Reihe von PC-Lenkrädern. Auch hier ist das Zusammenspiel zwischen VR und Eingabegerät erstaunlich immersiv. Besonders gefallen hat mir, dass die Bewegung des Lenkrads im Spiel sehr genau mit den Bewegungen des echten Lenkrades übereinstimmte. Eine weiteres Highlight ist das Gefühl, sich während der Fahrt dank des Positional Trackings aus dem Fenster lehnen zu können. Obwohl für das Spielkonzept völlig unbedeutend, macht es doch mächtig Spaß. Wie wird es erst bei Spielen, die diese Möglichkeit in das Spielkonzept einbauen? Ich habe z. B. sofort an Grand Theft Auto denken müssen, …

3.) Half Live 2 VR

Endlich! Die VR-Mod für Half Life 2 ist jetzt DK2-tauglich. Zwar war Half Life 2 schon länger DK2-kompatibel. Allerdings war die Steuerung sehr wenig immersiv und fühlte sich falsch an. Bei Half Life 2 VR handelt es sich um eine Half Life 2 Mod, welche eine besonders gute Implementierung der Razer Hydra Steuerung bietet. So ist es jetzt möglich, die Hände bzw. Waffen in Half Life 2 frei zu bewegen und der echten Bewegung der Hände anzunähern. Das Handling finde ich beeindruckend. Allerdings merkt man gerade bei entfernteren Gegnern schon, dass die Auflösung des DK2 an seine Grenzen stößt. Auch das Zielen mit Kimme und Korn ist zwar immersiv, allerdings teilweise doch recht unnatürlich. Ich freue mich schon auf Spiele für die Hydra bzw. demnächst STEM, die für VR-Steuerung und entsprechende Eingabegeräte optimiert sind.

4.) Elite Dangerous

Ein fantastisches Spiel, welches hervorragend für das DK2 geeignet ist. Auch hier zeigt sich, dass gerade das Zusammenspiel mit dem richtigen Eingabegerät – ich nutze einen Saitek X52 – unglaublich immersiv ist. Ich warte noch auf die offizielle DK2 Unterstützung und erhoffe mir davon bessere Grafik (derzeit gibt es bei mir noch noch einige Bugs) und funktionierendes Positional Tracking (eigentlich funktioniert dies bereits für den Großteil der Anwender, bei einigen älteren AMD Prozessoren gibt es jedoch noch Probleme, die erst durch eine offizielle DK2 Unterstützung behoben werden können).

5.) Crystal Rift

Einer von zwei Titeln, die ich schon in der ersten Woche erwähnt habe. Auch hier ist weder die Grafik noch das Spielprinzip besonders außergewöhnlich. Allerdings hat dieses Spiel das Talent, für drei Schreckeffekte zu sorgen. Einem Kollegen, den ich mit der DK2 und Crystal Rift alleine gelassen habe, habe ich im Anschluss eine Frage gestellt: „Wie oft hast Du Dich erschrocken“? Die Antwort kannte ich schon vorher: „Drei Mal“.

6.) Uncharted Territory

Diese Demo hat zwar kaum spielerischen Inhalt. In einem Raumanzug wandert man gestrandet über eine Art Mondlandschaft. Die Grafik ist allerdings beachtlich und das Gefühl von Weite kommt tatsächlich auf. Besonders gut gefallen hat mir auch der Helm des Raumanzuges, der nur eine eingeschränkte Sicht bietet und gut mit der echten Brille auf dem Kopf des Spielers harmoniert.

7.) Janus VR

Diese Demo zu beschreiben ist schwer. Janus VR stellt einen Raum dar, der mehrere Türen zu anderen VR-Anwendungen enthält, die es für das DK2 gibt. Janus VR eignet sich daher ganz gut, um in verschiedene Anwendungen hinein zu schnuppern und enthält teilweise auch Inhalte, die ich ansonsten noch nirgendwo gesehen habe, u.a. eine Animation, in der auch die Nyan Cat vorkommt. Interessant ist auch, dass sich in Janus VR mehrere Spieler bewegen können mit denen man in VR zusammentreffen kann und sich vermutlich auch unterhalten könnte.

8.) Miku Entertainment Sphere Stage

Einigen ist Miku Hatsune vielleicht bereits ein Begriff. Die Miku Entertainment Sphere bietet u.a. ein 3D Modell dieser virtuellen Figur, welches über das DK2 schon bemerkenswert angezeigt wird.

9.) Helix

Der zweite Titel, den ich bereits in der ersten Woche erwähnt hatte. Eine Roller Coaster Demo. Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt. Nur noch eins: Die Fahrt macht gerade das erste Mal unheimlich Spaß.

10.) 4thFloorStudioVR

Hierbei handelt es sich um die 3D-Darstellung eines Zimmers, die liebevoll und teilweise surrealistisch umgesetzt ist. Hier drängt sich fast die Anwendung des DK2 abseits von Spielen auf: Architekten und Hausplaner können in Zukunft vermutlich eine viel bessere Vorstellung dessen bekommen, was geplant ist. Ich warte nur darauf, wann die ersten Küchenstudios und Küchenhersteller anstelle Ihrer 2D Bildschirmpräsentation auf VR-Präsentationen umsteigen. Insgesamt könnte VR aber auch besonders gut für Produktpräsentationen geeignet sein.

Eingewöhnung und Umdenken notwendig:

Die ersten Tage mit dem DK2 waren relativ gewöhnungsbedürftig. Das Handling der Brille an sich war ungewohnt. Der Augenabstand musste eingemessen und der richtige Sitz der Brille wollte gefunden werden. Selbst wenn alles passte, war es teilweise doch komisch und ungewohnt, was man da auf dem Bildschirm sah und wie das was man sah auf Kopfbewegungen oder andere Steuereingaben reagierte. Mittlerweile hat sich all dies gelegt und der Umgang mit der Brille und VR ist eher routiniert – wenngleich immer noch faszinierend und nicht alltäglich. Die Veränderung im Handling – nicht nur der Brille – ist relativ schwer zu beschreiben. Ich denke jedoch, dass VR tatsächlich eine gewisse Eingewöhnungszeit benötigt und es z. B. nur schwer möglich ist, Freunden und Kollegen innerhalb einer Stunde zu zeigen, was das DK2 wirklich alles kann. Zwar ist auch bei den ersten Demonstrationen des DK2 mit Aha-Erlebnissen zu rechnen. Ein tieferer Einblick braucht aber – glaube ich – mehr Zeit und eine gewisse Gewöhnung.

Selbst wenn man sich an das Handling und die Umgebung gewöhnt hat, werden Spieleentwickler, Developer aber auch Gamer und Anwendner noch umdenken müssen. Zum Beispiel habe ich jetzt schon einige Let`s Plays von anderen Spielern zu Temple of Merk und Half Life 2 VR gesehen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die meisten Spieler weiterhin im Sitzen spielen und so einen nicht unerheblich Teil der Immersion verlieren. Denn gerade die Möglichkeit, dass Spiele erkennen, ob ein Spieler steht oder sich duckt fällt ansonsten weg. Der Unterschied zwischen dem Spielen im Sitzen und im Stehen (inklusive der Möglichkeiten sich zu ducken) fiel mir so gravierend auf, dass ich mittlerweile denke, dass sich für Geräte wie etwa dem Virtualizer oder einem voll ausgestatten STEM– bzw. PrioVR-System tatsächlich ein echter Markt entwickeln könnte. Es wird spannend werden, was die Zukunft hier noch bringt.

Auf eine Sache möchte ich noch kurz besonders eingehen. Übel geworden ist mir bei der Verwendung des DK2 bisher noch nie. Ich hatte lediglich einmal einen flauen Magen, nachdem ich Elite Dangerous ohne (!) funktionierendes Prositional Tracking gespielt habe – was man normalerweise nicht macht. Ich kann zwar nur für mich sprechen bzw. schreiben, aber ich denke, dass die Probleme, die es mit Übelkeit gab, behoben sind (sofern Spieleentwickler hier nicht mit schlechter Spielgestaltung oder schlechter Implemteierung eigene Ursachen schaffen).

Brille mit Brille?

Obwohl ich eigentlich Kontaktlinsen trage, habe ich das DK2 nun auch mit meiner Brille ausprobiert. Ich hatte eigentlich gedacht, dass dies sehr unbequem sein würde, fand die Benutzung mit Brille (dicke schwarze Rahmenbrille – wie sollte es anders sein) aber überraschenderweise überhaupt nicht störend. Ich hätte hier eigentlich das Gegenteil erwartet, nachdem ich einigen Bekannten mit Brille bei der Benutzung des DK2 zugesehen hatte. Vielleicht ist aber auch hier eine gewisse Gewöhnung an die VR-Brille von Vorteil.

Zubehör:

Ich hatte bereits im Erfahrungsbericht der ersten Woche geschrieben, dass ich die Kamera des Dk2 auf einem Stativ angebracht habe. Diese Möglichkeit hat sich für mich absolut bewährt und man kann – je nach Anwendung – schnell die beste Kameraposition herstellen. Da ich teilweise gerne einen noch größeren Abstand zur Kamera hätte, hatte ich versucht mittels HDMI-, USB- und Klinkenverlängerung die Kabel zu verlängern. Eine fünf Meter HDMI-Verlängerung war dann aber wohl doch zu viel, denn das Signal wurde nicht mehr übertragen. Aufgefallen ist mir noch, dass es sich bei dem Kabel, welches die Kamera mit der kleinen Box verbindet, wohl gar nicht um ein reguläres Kabel mit Klinkenstecker handelt – der Stecker ist kleiner (vielleicht irre ich mich hier aber auch?!).

Fazit:

Ich glaube nach wie vor, dass das DK2 schon sehr bald zuerst die Spielszene gehörig aufmischen wird, sich dann aber auch Fachanwendern (etwa im medizinischen Bereich) und langsam schließlich alltäglichen Nutzergruppen erschließen wird (etwa im Rahmen von Kinobesuchen, Produktpräsentationen, VR-Konferenzen, etc.).

Ich bin gespannt!

Written by Sven